Dekanat München-Trudering

Sie sind hier:  Startseite > Willkommen im Dekanat München-Trudering > Geschichte des Dekanats > Pfarrei Zorneding

Pfarrei Zorneding

Kirche St.Martin

Die Pfarrei Zorneding gründet in sehr weit zurück reichenden Wurzeln kirchlicher Tradition und kann somit noch zu den ältesten Pfarreien im Raum des heutigen Landkreises gerechnet werden. Eine Kirche hat in Zorneding nach Rückschluss aus historischen Indizien wahrscheinlich schon im frühen 9. Jahrhundert bestanden; im Jahr 935 wird eine solche ausdrücklich in den Schriftquellen erwähnt. Noch im 10. Jahrhundert geht diese Eigenkirche des Grafen Eberhard von Ebersberg in den Besitz der Freisinger Bischöfe über, von denen sie 1024/39 dem Domkapitel unterstellt wird. Damit war der Weg für eine Eingliederung in die gesamtkirchliche Organisation geebnet. Während erstmals 1145 ein Pfarrer Eberhard von Ilching in den Schriftquellen für die nähere Umgebung genannt ist, lässt sich eine Zornedinger Pfarrei erst in der Diözesanmatrikel von 1315 nachweisen, mit welcher die Einteilung in Diakonate und Pfarreien bereits abgeschlossen ist. Zorneding wird darin als Pfarrei mit den fünf Filialkirchen zu Pöring, Neukirchen, Buch, Harthausen und Möschenfeld beschrieben, zu denen noch zwei weitere kleine Kirchen ohne Friedhöfe in Ilching und Wolfersberg zu zählen seien. Im Laufe der Zeit traten mehrfache Änderungen in der Dekanatszugehörigkeit und Pfarreiorganisation ein. Erstere wechselte von Egmating nach Neuchig, Ebersberg und Markt Schwaben. Zwischenzeitlich waren auch die alte Kirche zu Baldham-Dorf und die in neuerer Zeit erbaute Kirche St. Josef zu Kirchseeon-Markt Filialen von Zorneding. 

Heute gehört die Pfarrei Zorneding zum Dekanat München–Trudering und umfasst die Filialkirchen Pöring, Harthausen und Möschenfeld, sowie die Kapelle zu Wolfesing. Hinzu kommen drei Kapellen in Privatbesitz, St. Antonius am westlichen, und St. Marien am südlichen Ortsrand von Zorneding, sowie die Kapelle in Ingelsberg. 

 

Der erste Holzbau einer Kirche, welcher nach Ausweis des Martins-Patroziniums und nach lokaler kirchlicher Hinwendung, die sich in den Stiftungen zweier Adeliger an das Bistum Freising aus den Jahren 813 und 821 äußert, schon im frühen 9. Jahrhundert bestanden haben dürfte, wurde zu unbekanntem Zeitpunkt durch einen gotischen Steinbau ersetzt. Aus diesem sind heute noch einige Inventarien erhalten (insbesondere die Madonna, ein großes Wandkreuz, der Taufstein aus Rotmarmor, einige Grabplatten). 

Dieser erste Steinbau musste jedoch wegen Baufälligkeit abgebrochen werden und wurde 1719-21 durch einen barocken Neubau ersetzt. Baumeister war nach bislang vorherrschender kunsthistorischer Annahme wohl der Münchner Hofbaumeister Joh. Georg Ettenhofer, nachdem der Zornedinger Pfarrkirche besondere Stilbezüge zu einem seiner Werke, der nach Plänen von Giovanni Antonio Viscardi gebauten Klosterkirche zu Fürstenfeldbruck, zugeschrieben werden. Gleichzeitig ergeben sich aber weitere markante Stilbezüge zur Grafinger Stadtpfarrkirche, einem Werk des Baumeisters Thomas Mayr aus Grafing, der ursprünglich mit dem Bauplan und dem Kostenvoranschlag für die Zornedinger Kirche beauftragt war. Bemerkenswert ist auch der Stuck, ausgeführt im Wechsel zwischen Arkanthusranken, geometrisch angeordnetem floralem Bandwerkund Muscheldekor. Er zeigt bemerkenswerte Stilbezüge zum Werk Johann Baptist Zimmermanns in der Grafinger Marktkirche und vor allem zum Chorraum von Weißenfeld, möglicherweise einem Werk aus der Schule des Meisters. Sehr enge Stilbezüge ergeben sich aber zur Werkstadt Zwerger aus dem Schliersee-Miesbacher Raum, womit der Stuck wohl in diesem Werkstadtkreis oder -umfeld, vielleicht auch von zwei Künstlern, ausgeführt wurde. Weitere Stilbezüge lassen einen einheimischen Stukkator aus diesem Werkstattumfeld denken. 

Der Hochaltar, ein Werk höfischer Bildhauerkunst, zeigt den Titelheiligen in der eher ungewohnten Darstellung, dem nicht sichtbaren Bettler ein Geldstück reichend. Der im Wesentlichen einheitliche Altarblock mit guten Darstellungen der Apostel Petrus und Paulus und des Erzengels Michael lässt stilistische Bezüge zur Münchner Bildhauerwerkstadt Ableithner erkennen. Anmutig wirkt die gotische, überarbeitete Madonna anstelle des rechten Seitenaltars, ein beachtenswertes Werk aus dem ausgehenden 15. Jahrhundert. Weitere ältere Inventarien, Wandkreuze, Bildstöcke der Apostel, der hl. Katharina und Barbara, u.a., wären noch zu nennen. Die Deckengemälde, nur z.T. Ende des 19. Jahrhunderts, hauptsächlich aber vom Jahr 1923, stellen in ihrem zentralen Thema die Himmelfahrt Mariens und den hl. Christophorus, zusammen mit den Hll. Barbara, Katharina und Margaretha aus dem Kreis der 14 Nothelfer dar. Durch die Erhaltung der originalen Empore und der Kanzel aus der Erbauungszeit, die Arkanthusranken der Betstühle und weitere Inventarien entsteht insgesamt ein bemerkenswert einheitlicher Raumeindruck. Ein gutes Ensemble bilden die angrenzenden Gebäude, insbesondere auch des Pfarrhofes mit dem kleinen Park und dem vor einigen Jahren in modernem Stil, aber passend neu erbauten Martinsstadl, der auch für außerkirchliche Veranstaltungen genutzt wird (Kulturverein). 

Als eine Besonderheit wäre abschließend noch die Reliquie des Hl. Placidus in der Pfarrkirche zu nennen. Die in der Nordwand hinter Glas eingemauerte Vollreliquie des römischen Katakomben-Heiligen aus frühchristlicher Zeit wurde 1982 von zwei Frauen aus der Pfarrgemeinde im Rahmen kirchengeschichtlicher Bemühungen um einen engeren Kontakt entfernter Kirchenglieder zu Rom von dort nach Zorneding gebracht.

Ein kleiner Kirchenführer als Faltblatt liegt kostenlos in der Kirche auf. 

 

Anmerkung der Internetredaktion: Reliquien eines Katakomben-Heiligen namens Placidus liegen auch in der Dominikanerkirche in Retz/ Österreich  

Gedenktag des Hl. Placidus (Name von placidus, lat.: sanft, ruhig, still, friedsam) ist der 15. Januar.

  

St. Ottilie Möschenfeld

 

Kirche St.OttilieAls eine der Pfarrkirche mit ihrem kostbaren und einheitlichen Raumeindruck sehr wohl ebenbürtige Filialkirche erweist sich St. Ottilie, malerisch in schöner Landschaft in dem kleinen Weiler Möschenfeld (zwischen Baldham und Harthausen), einem ebenfalls sehr gepflegten historischen Gebäudeensemble, gelegen. Möschenfeld war teilweise sehr alter Besitz des Klosters Ebersberg, nachdem Adelige um 1050 und 1070 Teile ihres Besitzes zu Möschenfeld dem Kloster gestiftet hatten. Nach und nach gelangte dann der gesamte lokale Besitz in Klosterhand, so dass in der Beschreibung des Landgerichts Schwaben von 1587 nur mehr von der Klosterschwaige Möschenfeld berichtet wird. Die Benediktiner ließen dort schon im 11. Jahrhundert eine Kapelle zu Ehren der hl. Ottilie erbauen, die sich zu einer Wallfahrtsstätte entwickelte. Von einem gotischen Kirchenbau, der abgerissen wurde, um ihn durch einen Neubau zu ersetzen, wird später berichtet. 1596 ging Möschenfeld, wie der gesamte Besitz des Benediktinerklosters, nach dessen Auflösung infolge des personellen und wirtschaftlichen Niedergangs an die Jesuiten über, die ihren Hauptsitz in München hatten. Auch die Schwaige Möschenfeld wurde unter deren forcierter Wirtschaftsführung zielstrebig ausgebaut und erhielt 1674 vom Bayerischen Kurfürsten sogar die Hofmarksjurisdiktion verliehen, welche eine Eigenverwaltung niederer landesherrlicher Rechte umfasste. 1632 schließlich, mitten im Dreißigjährigen Krieg, wurde die jetzige Kirche von den Jesuiten noch als einer der letzten großen Bauten in Altbayern in dieser Zeit errichtet. So verwundert nicht die Form dieser Landkirche, welche als breit angelegter Saalbau an die Münchner Jesuitenkirche erinnert. Baumeister und Stukkator sind unbekannt. Möglicherweise war Konstantin Pader aus München der Architekt. Der Stuck, welcher an die Werke des Kaspar Feichtmayr aus Bernried erinnert, der jedoch nicht als Ausführender in Frage kommt, gehört zu den besten Beispielen, die im Münchner Raum zu sehen sind. Beachtenswert sind auch die frühbarocken Altäre. Die qualitätvollen Skulpturen sind möglicherweise unter Mitwirkung Weilheimer Bildschnitzer entstanden. Auf den Betrachter eindrucksvoll wirkt der Hauptaltar mit der Darstellung der Aufnahme der hl. Ottilie in den Himmel durch die bewegte Szene und die plastische Wirkung der Skulpturen, wie auch den lebendigen Faden des Bildaufbaus. Aus dem Vorgängerbau stammt die Figur der hl. Ottilie an der Südwand, die im Umkreis des Meisters der Blutenburger Apostel wohl Ende des 15. Jahrhunderts entstanden ist. Sehr schön sind auch die Tafeln an der Emporenbrüstung, die aus dem Leben der hl. Ottilie erzählen. Das Klostergut Möschenfeld kam nach Auflösung des Jesuitenordens und dann des Malteserordens als Rechtsnachfolger, nach mehrfachem Besitzerwechsel zusammen mit dem ganzen Weiler 1895 an den Reichsrat Wilhelm von Finck, dessen Familie, obgleich evangelischer Konfession, vorbildlich für die Restaurierung der Kirche sorgt. Von der Zornedinger Pfarrei aus finden Bittgänge nach Möschenfeld statt, ferner Messen jeweils an den zweiten Feiertagen zu Weihnachten, Ostern und Pfingsten. Ein ausführlicher Kirchenführer mit Abbildungen liegt in der Vorhalle zum Selbstkostenpreis auf. 

Veranstaltungshinweis: Konzerte in der Kirche zu Möschenfeld. 

 

St. Georg Pöring

In Pöring ist seit dem Jahre 885 Königsgut nachzuweisen. Es könnte wohl wahrscheinlich sein, daß solche große Landgüter des Reiches oder Verwaltungsgehöfte von Reichsgut, die auf die Initiative der sehr für die Christianisierung engagierten Karolingischen Könige bzw. Kaiser zurückgehen, wenigstens mit einer Hauskapelle ausgestattet waren, zumal sich später Kirchen auch auf den Stellen anderer ehemaliger Königshöfe finden. Das Georgs-Patrozinium, welches im Hochmittelalter bei den Fränkischen (=Deutschen) Königen bzw. Kaisern sehr beliebt war (z.B. Bamberger Dom 1007), insbesondere aber seit den Kreuzzügen ins Heilige Land (ab 1090) gerne vergeben wurde, könnte ebenfalls auf eine relativ frühe Kirchengründung hinweisen. Noch um 1147 begegnen Reichsministeriale in Pöring, zwischendurch um 1070 und später auch Edelfreie als Inhaber des Burggutes. Sicher bezeugt ist eine Kirche zu Pöring seit der Freisinger Bistumsmatrikel von 1315. 1632 wurde das Schloss von den Schweden niedergebrannt. 1696 wurde die Kirche im Barockstil völlig neu erbaut. Der bekannte Kupferstecher Michael Wening bildete 1796 Kirche und Schloss ab, das in seinem Hof noch einen Turmrest einer mittelalterlichen Burganlage enthielt. Der Baumeister ist unbekannt. Finanziert wurde der Neubau von den Inhabern des Edelsitzes, deren Wappen in der Kirche noch heute auf den Grabplatten überliefert ist. Das Hochaltarbild wurde 1700 von Johann Untersteiner gefertigt, der auch in Weyarn und Attel gearbeitet hat. Es handelt sich hier jedoch nur um ein mittelmäßiges Werk. Von größerer Bedeutung sind eine Muttergottes aus dem gotischen Vorgängerbau anstelle des rechten Seitenaltars, sowie die Grabplatten mit den Wappen von Inhabern des Pöringer Edelsitzes aus dem 15. Und 17. Jahrhundert, die besonders im erst genannten Fall gute Arbeiten sind. 

 

St. Andreas Harthausen

 

Der Zeitpunkt einer Kirchengründung zu Harthausen konnte bislang nicht ermittelt werden. Der Ort erscheint jedoch schon in den Freisinger Traditionen, einer frühen Schriftquelle für unseren Raum aus dem 8. und 9. Jahrhundert, welche Schenkungen an das Bistum überliefert. In dieser ist bereits eine kirchliche Stiftung eines Diakons und eines Priesters, die im Ebersbergischen Raum noch öfters auftreten, zum Jahre 814 verzeichnet. Jedenfalls hat eine mittelalterliche Kirche bestanden, nachdem der heutige Bau in der Grundanlage noch gotisch ist (Zeit der Gotik: ca. 1200-1500). Merkmale der Spätgotik finden sich in diesem nicht. Das einschiffige Langhaus wurde ca. 1870 um den westlichen Teil erweitert; Der Turm ist barock (Baustil des 17./18. Jahrhunderts). Der Hochaltar entstand um 1660/70. Während der hl. Andreas im Zentrum des Altars modern ist, stammen die neiden Seitenfiguren des hl. Johannes d. Täufers und des hl. Laurentius aus der Entstehungszeit des Altarbaus. Einfach, aber in seiner Art recht schön mit Beschlägen verziert ist der Tabernakel. Insgesamt recht ruhig und in seiner Schlichtheit ansprechend wirkt der Chorraum. Die Seitenaltäre stammen aus dem Ende des 17. Jahrhunderts und enthalten Gemälde von Wilhelm Asselborn au dem Jahre 1850. Bemerkenswert sind ein sogenannter „Heiliger Wandel“ und ein Kruzifix mit Schmerzhafter Muttergottes aus der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts im Stil des Münchner Herzogspitals. 

 

Kapelle in Wolfesing

Die Kapelle steht auf dem „Schloßanger“, könnte eventuell auch auf die Hauskapelle eines Edelsitzes zurückgehen, der sich dort im 17. Jahrhundert aus einer ehemaligen herzoglichen Schwaige entwickelt hat, die seit 1269 als Sitz herzoglicher Förster bezeugt ist. 1677 wurde deren Inhaber, Graf von Perusa, die Hofmarksgerechtigkeit für diesen Sitz vom Kurfürsten verliehen, was wohl auch auf die Funktion eines ausstattungsmäßig nicht vernachlässigten Gehöftes schließen lassen dürfte. Um 1700 aber war das Schloss verfallen. Das jetzige Bauwerk stellt sich als eine Feldkapelle aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts dar. 1909 wurde sie im Wesentlichen neu erbaut; aus dem 18. Jahrhundert stammt nur noch die Apsis. Als Ausstattung sind zwei recht gute Figuren des gegeißelten Heilands und einer Maria immaculata erwähnenswert, ferner zahlreiche Votivtafeln in einfacher Bauernmalerei aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Einst veranstaltete man Bittgänge nach Wolfesing bei Dürre und Viehseuche. Noch gegenwärtig haben Bittgänge der Zornedinger Pfarrei zum Christus in der Wies, jedoch heute als regelmäßige Einrichtung, Tradition.

 

Namenstag des Monats

31.1. :
Johannes Bosco ("Don Bosco")
  * 1815, +1888, Italienischer Priester, Jugendseelsorger und Ordensgründer

Zitat der Woche

Aus dem Gotteslob (Hermann Schalück):

Dein Name, Herr, ist Leben, Friede, Schalom und Salam.
Dieser Name sei genannt und gepriesen von allen.
Mit allen, die diesen Namen kennen, bitten wir um Frieden für die Nahen und um Frieden für die Fernen.
Um Frieden in den Herzen, Frieden in allen Zeiten, Häusern und Palästen.
Um Frieden zwischen den religionen und Kulturen.
Um Frieden für die Schöpfung, die seufzt.
Zeige allen, wer du in Wahrheit bist.
Mache uns zu Werkzeugen deines Friedens.
 

Zitat der Woche

 

"Der Heilige Geist drängt zum Wandel, und wir sind bequem."

Papst Franziskus

 

Zitat der Woche

"Verbringe die Zeit nicht mit der Suche nach einem Hindernis, vielleicht ist keins da."

Franz Kafka

 

Zitat der Woche

"Wir sind nicht auf Erden, um ein Museum zu hüten, sondern um einen Garten zu pflegen, der von blühendem Leben strotzt und für eine schönere Zukunft bestimmt ist." Johannes XXIII. zur Eröffnung des 2. Vatikanischen Konzils

 

Powered by CMSimple_XH | Template: ge-webdesign.de | test (X)html | test css | Login